Geburtenreduktion in Kasambya - Wissen für die Zukunft

In Afrika südlich der Sahara und auch in Uganda geht die Geburtenrate weltweit gesehen am geringsten zurück. Der Bedarf an Angeboten zur freiwilligen Familienplanung ist riesig. Dennoch wird sich die Bevölkerung hier bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich nochmal fast vervierfachen. Für diese Menschen müssen sauberes Wasser, Nahrung, Schulen und Krankenhäuser zur Verfügung stehen. Doch schon heute haben die meisten Staaten große Probleme, ihre Bewohner ausreichend mit diesen Grundgütern zu versorgen.

 

 

Armut führt trotz hoher Kindersterblichkeit (Ranking weltweit: Pos. 20: Uganda 5% Todesfälle/Jahr-, Pos. 204: Deutschland 0,3%) zu einem übermäßigen Bevölkerungswachstum. Ein weiter steigendes Bevölkerungswachstum führt zu noch mehr Armut. Durch Armut verringert sich auch die Überlebenschance für Neugeborene da dann auch häufig der Zugang zu Krankenhäusern oder Ärzten fehlt. Viele Kinder bedeuten jedoch fast immer die Alterssicherung der Eltern. Ein fataler Teufelskreis.

Ein Ziel ist, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Denn dass ein Ausweg möglich ist haben viele asiatische Staaten gezeigt: Sie haben sowohl in Gesundheits- und Bildungsprogramme als auch in freiwillige Familienplanung investiert und so binnen kürzester Zeit einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt.

So ähnlich müsste es auch in afrikanischen Staaten und auch in unserem Projekt möglich sein. Die Thematik ist vielschichtig, Wir müssen einige traditionelle Denkmuster bei den Bewohnern behutsam ansprechen und aufbrechen.

Im Schwerpunkt geht es um folgende 6 Themen:

1. Aufbau eines Gesundheitssystems

Gesundheit ist das A und O. Werdende Mütter zum Beispiel müssen so versorgt werden, dass sie weder um die eigene Gesundheit noch um die ihrer Kinder fürchten müssen. Die Kindersterblichkeit hat einen hohen Einfluss auf die Geburtenzahl pro Frau, denn Paare sind erst bereit, weniger Nachwuchs zu bekommen, wenn sich die Überlebenschance für jedes einzelne Kind erhöht. Das war übrigens vor zweihundert Jahren auch noch in Europa so.

Wir haben in Kasambya ein Gesundheitssystem organisiert. Unsere vier Gesundheitshelfer, unser Arzt Dr. Mugambe und die Krankenstation in Naluggi haben in den letzten Jahren allein durch Beratung der schwangeren Frauen die Mütter- und Kindersterblichkeit bei der Geburt auf NULL reduzieren können. Kinder sind bis zum Ende ihrer Schulzeit in ärztlicher Betreuung, sei es durch die öffentlichen Impfprogramme, sei es durch das Aufsuchen der nahe gelegenen Gesundheitsstation in Naluggi.

 

2. Reduktion von Armut und Perspektivlosigkeit

 

Die Bevölkerung wächst besonders in Uganda, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Auch heute gilt bei Eltern: Viele Kinder bieten eine Möglichkeit der Versorgung im Alter und bei Krankheit. Dabei kann eine freiwillige Familienplanung die Entwicklungschancen armer Länder nachhaltig verbessern. In kleineren Familien sind die Kinder im Durchschnitt gesünder, haben bessere Ausbildungschancen und daher größere Möglichkeiten, am Erwerbsleben teilzunehmen.

In Kasambya wurde die Armut durch Verbesserung der landwirtschaftlichen Aktivitäten und durch die Gründung einer Genossenschaft mit gutem Erfolg bekämpft. Mit den gestiegenen Einkommen können jetzt fast alle Familien ihre Kinder in unsere Schule schicken. Weiterhin überlegen wir zurzeit, wie wir weitere Arbeitsplätze schaffen können

 

3. Sexualaufklärung

 

Aufklärung ist die Basis, damit sich Jugendliche und Erwachsene mit Verhütungsmitteln wie Kondomen vor ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten, wie HIV schützen können. Über Sexualität zu reden, ist auch in Kasambya nicht einfach. Nicht darüber zu sprechen, ist jedoch hier jedoch noch gefährlicher als in Europa und es hat gravierende Folgen für Mädchen, wenn sie – oft ungewollt – schwanger werden.

Aufklärung beginnt in Kasambya schon in den Familien aber auch an unserer Schule.

Unsere Gesundheitshelfer besuchen turnusmäßig alle Familien, reden drüber und klären auf. Weiterhin arbeiten wir zukünftig mit der SRHR Uganda zusammen, einer Organisation, die sich umfassende Sexualerziehung, die Verringerung der geschlechtsspezifischen Gewalt und die Sicherung der Rechte von Frauen auf die Fahne geschrieben hat. Die SRHR will Menschen dabei unterstützen, fundierte Entscheidungen über ihr sexuelles und reproduktives Leben zu treffen.

 

4. Familienplanung

 

Über Verhütungsmittel etwas zu wissen, ist das eine, sie auch anwenden zu können, das andere. Apotheken oder Krankenstationen sind häufig nicht mit Verhütungsmitteln ausgestattet, oder der Weg ist für viele Menschen zu weit. In den Städten hat sich in den letzten Jahren viel getan, doch gerade in den ländlichen Gebieten, wie bei uns in Kasambya muss dafür Sorge getragen werden, dass die Menschen eine Möglichkeit haben, moderne Verhütungsmethoden anzuwenden.

Kondome sind in Kasambya schon wegen der weit verbreiteten HIV-Infektionsgefahr erhältlich.

 

5. Gleichberechtigung

 

In Partnerschaften können Frauen in vielen Entwicklungsländern oft nur schwer die Verwendung von Verhütungsmitteln und Familienplanung durchsetzen. Viele Frauen wünschen sich weniger Kinder als Männer – doch dies geht nur, wenn sie sich ihnen gegenüber auch behaupten können. Besser gebildete und in ihren Rechten gestärkte Frauen können sich informieren und selbstbestimmte Entscheidungen zur freiwilligen Familienplanung treffen.

Durch intensive Beratung der Eltern gehen Mädchen jetzt vermehrt zur Schule. Mütter erfahren durch ihre besser gebildeten Kinder und durch unsere Gesundheitshelfer von Möglichkeiten einer Familienplanung.

 

6. Bildungschancen für Mädchen verbessern

 

Die Welt hat in Bildungsfragen große Fortschritte gemacht. Aber Mädchen müssen nach wie vor häufig im häuslichen Umfeld mitarbeiten und dürfen deshalb nicht zur Schule oder verlassen diese frühzeitig.Durch die eigene Herstellung von Damenbinden ist es zum Beispiel gelungen, dass Mädchen während ihrer Menstruation weiterhin zur Schule gehen, was sie vorher nicht getan haben.

Mit gezielter Aufklärung im Rahmen von Capacity Building Programmen für Lehrer,  Eltern und Schüler versucht unser Projekt auch hier Abhilfe zu schaffen. Zusätzlich werden die Eltern durch unsere Gesundheitshelfer aufgeklärt, die bei ihren regelmäßigen Besuchen in den Familien auf vorhandene Möglichkeiten hingewiesen.

 

Fazit

Seit 2013 hat unser Projekt insgesamt vier Gesundheitshelfer ausgebildet, die in regelmäßigen zeitlichen Abständen alle Familien besuchen und in der

Schule tätig sind. 

Zu ihren Aufgaben gehören:

    • Beratung über
      • persönliche Hygiene, Sanitäreinrichtungen
      • ausgewogene Ernährung
      • Vorbeugung von Krankheiten
    • Diagnose und einfache Behandlung von Krankheiten sowie erste Hilfe bei häuslichen Unfällen.
    • Hinweis auf Impfungen, Impfbücher überprüfen
    • Beratung über Familienplanung (Sexualaufklärung, Verhütung)
    • Vor- und nachgeburtliche Betreuung werdender Mütter, Einführung eines Mutterpasses
    • Monitoring aller Maßnahmen und deren Erfolge.

Erfolge:

  • Reduktion der Sterberate von Mutter und Kind bei der Geburt auf NULL.
  • Stopp der Übertragung von HIV bei der Geburt von der Mutter auf das Neugeborene.

 

  • Erste Anzeichen von Geburtenreduktion? Wir können es noch nicht wissenschaftlich nachweisen, aber erste Statistiken des  letzten Jahres deuten auf eine geringere Geburtenrate in Kasambya hin. Ob und wie die Bemühungen unseres Projektes fruchten wird sich aber erst in einigen Jahren nachweisen lassen.